140 Jahre Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn: Eisenbahnfreunde laden zur Dampflokfahrt am 4.10. ein.

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Am Sonntag, 4. Oktober, fährt anlässlich des Jubiläums u.a. eine preußische Dampflok durch Coesfeld und Lette. Wer mitfahren will, kann dies mit einem normalen für die RB 51 und RB 64 gültigen Ticket.

„Ich komme!“ Die historische Postkarte (Slg. Dr. D. Hörnemann) zeigt eine preußische Personenzuglok mit Abteilwagen, wie sie am 4. Oktober 2015 erneut durch Lette und Coesfeld fahren wird.

Vor 140 Jahren, am 30. September 1875, wurden die Schienenstrecken von Münster und von Dortmund nach Gronau (Westf) eingeweiht und für den Verkehr freigegeben. Die Strecke von Gronau (Westf) nach Enschede folgte am 15. Oktober 1875. Anlässlich des 140jährigen Streckenjubiläums der heutigen Bahnlinien RB 64 Münster – Enschede und RB 51 Dortmund – Enschede bietet der Zweckverband SPNV Münsterland (ZVM), unterstützt von der DB Regio NRW und Eisenbahnfreunden aus dem Münsterland, am 4. Oktober Dampfzugfahrten in der Relation Münster Hbf – Steinfurt – Gronau – Coesfeld – Dülmen an.

Zum Einsatz kommt die 1923 gebaute Dampflok 78 468, die bis 1966 häufig im Münsterland vor Personen- und Güterzügen anzutreffen war. Aufgrund ihrer Laufruhe, ihrer Sparsamkeit und Zuverlässigkeit war sie beim Lokpersonal besonders beliebt. Sie kommt auf Spitzengeschwindigkeiten von 100 km/h und hat einen Wasserwagen sowie die Donnerbüchsen als Personenwagen im Schlepptau. Eisenbahnnostalgie pur gibt es zu erleben, wenn sich der Dampfzug in Bewegung setzt.

Das Eisenbahnmuseum „Alter Bahnhof Lette“ hat pünktlich zum Jubiläumstag bereits ab 12:00 Uhr geöffnet. Bis 18:00 Uhr können Besucher das Museum und den Modellbahnkeller besuchen, Fahrten mit der Handhebeldraisine durchführen oder überzählige Zuglaufschilder, Eisenbahnbücher und -zeitschriften von den Vereinsmitgliedern erwerben. Die Ausstellung historischer Eisenbahnuniformen ist an diesem Sonntag letztmals geöffnet.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Tipp: Wer den Dampfzug benutzt, kann um 12:24 Uhr aussteigen und für etwa eine Stunde den Bahnhof Lette besuchen.

Um 13:36 Uhr fährt der Dampfzug zurück Richtung Gronau. Für die Fahrt mit dem Dampfzug am 4. Oktober ist kein besonderes Ticket erforderlich. Es gelten die auch für die RB 51 und RB 64 gültigen Tickets. Für die gesamte Fahrstrecke empfehlen sich die am Wochenende ganztägig gültigen 9-Uhr-Tagestickets der Preisstufe 8 (entspricht einer Netzkarte), die als Singleticket für 27,00 € oder als Gruppenticket (bis zu 5 Personen) für 35,00 €, erhältlich sind. Mit diesen Tickets können neben dem Dampfzug alle Nahverkehrszüge sowie Busse im Geltungsraum des Münsterlandtarifs genutzt werden.

Tickets sind erhältlich z.B. an den Automaten an den Bahnhöfen Münster Hbf, Coesfeld und Dülmen, den bekannten Verkaufsstellen oder direkt im Zug beim Schaffner. Fahrräder können im Dampfzug leider nicht mitgenommen werden. Weitere Informationen rund um das Streckenjubiläum sind im Internet unter www.zvm.info und www.bahnhof-lette.de zu finden.

 

Zum Thema: 140 Jahre Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn

 

Nach dem von Deutschland gewonnenen Kriege 1870/71 tauchten überall Bahnbauprojekte auf, darunter auch eines, das sich die Abfuhr von Kohle aus dem Ruhrgebiet nach Holland zur Aufgabe stellte. Die Strecke Dortmund-Gronau-Enschede bildete den kürzesten Weg für Kohlentransporte nach der Textilindustrie des nordwestlichen Westfalen und nach Holland. Die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft (Konzessionierung 1872) begann 1874 nach langwieriger Projektierung und Sicherstellung der Finanzen (die Strecke Dortmund - Enschede sollte am Ende ca. 7 Millionen Taler kosten) mit dem Bau einer Bahnstrecke von Dortmund über Gronau bis Enschede. Das Teilstück Dülmen-Ost über Merfeld und Lette nach Coesfeld wurde am 01. August 1875 fertiggestellt. Die Gesamtstrecke war ab 30. September 1875 befahrbar. Sie hatte eine Gesamtlänge von 98,90 km. Die Dortmund-Gronau-Enscheder-Eisenbahn besaß 1880 102 km Baulänge mit einem Anlagekapital von 18.106.089 Mark (176.974 Mark pro km Bahnlänge). Als Betriebsmittel standen 11 Lokomotiven, 562 Güterwagen und 20 Personenwagen zur Verfügung. Der Maschinenpark bestand 1903 aus 26 Lokomotiven (1'B-Loks für den Personenverkehr und C-Kupplern für den Güterverkehr), die dann von preußischen Loktypen abgelöst wurden (P4, G3, G4), und immerhin 3.866 Wagen. Die DGEE beschaffte zwischen 1879 und 1900 8 C-Loks mit Tender (Höchstgeschwindigkeit 45 km/h).

Auch von Unfällen wurde die Bahn nicht verschont: 1880 geschahen 3 Unfälle durch Entgleisung bzw. Zusammenstoß mit einem Todesopfer, ferner wurde ein Schienenbruch verzeichnet.

Die Bahnstrecke diente dem Personenverkehr, der schnellen Beförderung von Arbeitern nach dem Ruhrgebiet, vor allem nach Dortmund, dann natürlich auch dem langsameren Güterverkehr. 1875 verkehrten drei Zugpaare täglich auf der Strecke nach folgendem Fahrplan (ab 30.09.1875):

Von Dortmund nach Coesfeld (Gronau):

Zug                I            III           V

Coesfeld ab     8.25      13.53       21.00

Von (Gronau) Coesfeld nach Dortmund:

Zug                II          IV            VI

Coesfeld ab     6.43      11.36       19.39

Wie viele andere Bahngesellschaften ging auch die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft am 01.01.1903 praktisch (mit Gesetzbeschluß vom 08.05.1903 wurde die Gesellschaft faktisch am 01.07.1903 aufgelöst) in das Eigentum der Königlich-Preußischen-Eisenbahn-Verwaltung über. Somit erweiterte sich das preußische Schienennetz um 96,89 km Hauptbahn. Für das Aktienkapital von 30.000.000 Mark wurden Staatsschuldverschreibungen ausgegeben zum Nennbetrag von 60.000.000 Mark (3%ig). Die Gesamtleistung des Staates betrug 66.647.000 Mark, auf 1 km Bahnlänge angerechnet: 687.363 Mark. Das Grundkapital betrug 32.597.000 Mark, angerechnet auf 1 km Bahnlänge 336.433 Mark. Dem Staat fielen zur freien Verfügung Aktienfonds im Werte von 5.107.225 Mark zu. Die westfälische Privatbahn weigerte sich bis zuletzt standhaft, sich von Preußen verstaatlichen zu lassen. Als staatliche Strecke wäre sie dann 1993 fast von der Bundesbahnkarte verschwunden. Nach einer Aufarbeitung der Strecke scheint die Zukunft der Bahnlinie Dortmund-Gronau-Enschede jedoch gesichert.

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